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Prolog zum Dauerwandertagebuch - oder, mein Ausflug in den Heidelberger Stadtwald

01.03.2018 Dauerwandertagebuch

Der heutige Artikel ist der Startschuss meines Dauerwandertagebuchs. In der Konzeptionsphase zu diesem Blog war ich auf der Suche nach einem Format, welches (fast) ausschließlich zu deiner Unterhaltung dienen soll. Ich will dir einfach auch von hinter den Kulissen erzählen, was ich so auf Tour erlebe, was gut gelaufen und auch was weniger gut gelaufen ist. Starten möchte ich mit der Erzählung von meinem Tagesausflug in den Heidelberger Stadtwald, woraus auch die Idee zu diesem Format entstand. Wir starten also mit dem Prolog.

Wandersymbol Neckarsteig
Wandersymbol Neckarsteig

Samstag, 22.10.2017

Vorfreude

Die ganze Woche hieß es schon, dass uns am Wochenende noch einmal richtig gutes Wetter erwarten wird. Ich habe mir also die ganze Woche schon Gedanken für den heutigen Samstag gemacht und mir vorgenommen definitiv nach draussen zu gehen, ein letztes Mal vor den Wintertagen Sonne zu tanken und gleichzeitig mein neues Fotoequipment zu testen.

Voller Vorfreude plane ich die erste Etappe des Neckarsteigs zu laufen. Dies hatte ich schon seit längerer Zeit vor, habe es bisher jedoch noch nicht umsetzen können. Für den Abend habe ich mir vorgenommen, noch eine kleine Fotosession am Heidelberger Schloss zu machen. Ich hatte kürzlich ein Video zu Langzeitbelichtungen gesehen und wollte dies nun auch unbedingt einmal mit meinem Kameraequipment nachstellen.

Ich mache mich also, bei tatsächlich strahlendem Sonnenschein, bereit aufzubrechen und stelle beim zusammenpacken erstaunt fest, dass mein Kameraequipment, inklusive dem Stativ, mehr Platz in meinem kleinen 22 Liter Rucksack wegnimmt, als ich erwartet habe.

Die Anreise

Glücklich darüber, dass das Wetter Ende Oktober tatsächlich noch einmal so genial ist, starte ich mit richtig guter Laune auf meine geplante Tagestour. Der Plan sieht heute vor mit dem Bus auf den Heidelberger Hausberg, den Königstuhl, zu gelangen und von dort dann, über Teile der ersten Etappe des Neckarsteigs, nach Neckargemünd zu laufen.

Kleine Anmerkung am Rande: Offiziell beginnt der Neckarsteig am Heidelberger Schloss und führt über die sogenannte Himmelsleiter zum Königstuhl hinauf. Diesen Aufstieg wollte ich mir jedoch heute durch die Busfahrt ersparen, da es mir ehrlicherweise primär darum ging meine Kamera zu testen und ein paar schöne Fotos für dich zu schießen.

Mein erster Zwischenstopp auf dem Weg nach Neckargemünd ist jedoch zunächst der örtliche Supermarkt, da ich noch Wasser und frisches Brot auf meiner Tour benötige. Mein weiterer Proviant besteht heute aus etwas Hartwurst, die ich noch übrig hatte und einem leckeren Nussmix. Da kann ja fast nichts mehr schief gehen.

Ankunft auf dem Königstuhl

Üblicherweise fahre ich mit der Heidelberger Bergbahn und nicht mit dem Bus auf den Königstuhl. Während meinen Recherchen zur Tour habe ich allerdings herausgefunden, dass der Bus "wohl neuerdings" ganz bei mir in der Nähe abfährt und ich mir somit den Weg in die Heidelberger Altstadt sparen kann.

Der Bus kam, obwohl laut Aushang aktuell auf der Linie Bauarbeiten stattfinden sollen, pünktlich an und erklomm innerhalb von ca. 30 Minuten den Königstuhl.

Was soll ich sagen, der erste Ausblick war wie immer einfach genial, so dass ich diesen Moment unbedingt auch für dich auf Foto festhalten wollte. Leider hatte ich die komplett falschen Einstellungen an meiner Kamera ausgewählt, weshalb ich das nachfolgende Foto mal als Kunst bezeichnen will.

Bild
Das Kunstwerk vom Königstuhl

Die ersten Schritte

Der Tatsache, dass das Foto zukünftig "nur" ein Kunstwerk werden würde, war ich mir natürlich als es entstand noch nicht bewusst, weswegen ich absolut guter Dinge letztlich auf den etwa 10 Kilometer langen Spaziergang gestartet bin.

Im ersten Abschnitt passiert der Weg das Märchenparadies und führt auf einem Bewirtschaftungspfad hinein in den Stadtwald von Heidelberg. Leider war das Märchenparadies derart gut besucht, dass mich auf der ersten Teilstrecke einige, ziemlich nervige und unnatürliche Geräusche, wie das Dauerklingeln einer Glocke eines Fahrgeschäfts, begleitet haben.

Nach einer kurzen Weile wird es jedoch deutlich ruhiger und der Neckarsteig biegt nach rechts in den Wald ab. Ab und an zücke ich meine Kamera und versuche im dämmrigen Licht des Waldes vernünftige Fotos zu machen. Trotz der falschen Einstellungen gelingt mir, entweder durch Zufall oder Glück geleitet, ein einziges Foto. Darauf zu sehen ist ein Stein, der auf einem Baumstumpf liegt und den ein rotes X ziert. Auf meiner Startseite kannst du dieses Foto sehen, wenn du dir die Kategorien genauer ansiehst. Größer möchte ich es dir aber ehrlich gesagt lieber nicht präsentieren...

Herr der Ringe in Heidelberg

Durch meinen jugendlichen Leichtsinn verstehe ich das Symbol, dass der Weg an einer Lichtung rechts abgeht, zu genau und gehe, genau wie beim Herrn der Ringe, einen kurzen Umweg Querfeldein zu den Pilzen… und auch hier will die Kamera immer noch nicht so wie ich es will. Die Bilder, die ich von dem Baumstumpf schieße, der von Pilzen übersät, in stoischer Ruhe im Wald verharrt, sind alle derart verwackelt, dass ich diese erneut nicht verwenden kann.

Ich frage mich, warum die Bilder auf dem Display der Kamera eigentlich immer so gut aussehen und beantworte mir die Frage gleichzeitig damit, dass ich einfach noch viel dazu zu lernen habe und eines Tages der Zeitpunkt kommen wird, an dem mir solche Fotos glücken werden.

Zurück ins Unterholz. Ich kraxle also weiter den vielleicht nur in meiner Phantasie entstandenen Trampelpfad entlang und komme irgendwann zu dem Schluss, dass da irgendetwas nicht stimmen kann. Und wie ich das irgendwo einmal aufgeschnappt habe, laufe ich also diesen Trampelpfad so lange zurück, bis ich an den Ort komme, wo mein Irrlauf begonnen hat.

Baumringe
Baumringe

Ich komme so also doch irgendwann auf den richtigen Weg, der sich unter Bäumen hindurch über einen Wurzelübersäten Boden durch den Wald schlängelt. Ich stelle dabei fest, dass dieser Abschnitt des Weges sehr idyllisch ist.

Mir bleibt hier keine andere Wahl und ich beschließe, dass ich hier einfach kurz einmal innehalten muss, um die Ruhe, die mich umgibt, zu genießen. Ich bleibe hier also einige Zeit inmitten des Waldes stehen und realisiere so langsam aber sicher, dass ich die ganze Zeit wohl mit falschen Einstellungen fotografiert habe. Naja, denke ich mir. Jetzt kann es ja nur noch besser werden.

"Den Einen Ring" habe ich übrigens nicht gefunden, dafür aber einige Baumringe, die mich derart fasziniert haben, dass ich auch diese fotografisch festgehalten habe (was sogar einigermaßen geglückt ist...).

Suche Fotospots mit Aussicht

Nachdem ich während meiner kurzen Pause von zwei älteren Damen überholt wurde und den beiden ein wenig Vorsprung gegeben habe, setze ich meinen Weg ebenfalls fort. Ich folge der bis dahin sehr guten Beschilderung des Neckarsteigs und schaue mich nach Fotospots mit Aussicht auf den Neckar um.

Auf dem gesamten Abschnitt der ab dem Zeitpunkt der Überholung vor mir lag, bis zu meiner Ankunft in Neckargemünd hatte ich genau eine wirklich schöne Aussicht.

Ja, du hast absolut richtig gelesen. Eine!

Ich habe dort mein Stativ aufgebaut und habe mich dann an Belichtungsreihen versucht, da der Vordergrund dunkel und der Hintergrund sehr hell waren. Du errätst es sicher sofort. Es hat nicht so funktioniert, wie ich das wollte.

Glücklicherweise habe ich dort aber auch eine Aufnahme mit meinem Handy gemacht, die so einigermaßen etwas geworden ist und bei der ich mich auch traue sie dir zu zeigen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass das Ganze aus zweierlei Hinsicht ziemlich dumm gelaufen ist.

Bild
"Der Eine Ausblick" vom Neckarsteig

Zum einen habe ich, mit dem meiner Meinung nach recht professionellen Fotoequipment, auf dem Neckarsteig nicht die Resultate erzielen können, die ich mir gewünscht hatte, sondern musste doch wieder auf das Material aus dem Smartphone zurückgreifen.

Zum anderen aber, und das finde ich in diesem Fall schlimmer, bietet diese Etappe des Neckarsteigs leider auch nicht so viele schöne Fotospots, geschweige denn schöne Aussichtspunkte bei denen sich das erwandern lohnen würde.

Während ich am Neckargemünder Bahnhof sitze, nehme ich mir vor, diese Etappe des Neckarsteigs von Beginn an noch einmal zu laufen, denn ich kann einfach nicht glauben, dass man so wenig zu sehen bekommen soll. Entweder werde ich also meinen ersten Eindruck bestätigen, oder ich werde ihn hoffentlich revidieren können. Das wird dann sicher, auch im Rahmen der Neckartal-Erkundung, als offizieller Tourenbericht auf dieser Seite veröffentlicht werden.

Die Fotosession am Schloss

Zum Abschluss stand nun noch die Fotosession gegenüber des Heidelberger Schlosses an, der ich ehrlicherweise mit ziemlich gemischten Gefühlen entgegen sah. Ich wusste ja nun bereits, dass ich beim Fotografieren mit meiner neuen Kamera noch nicht so wirklich fit bin. Allerdings wollte ich mich davon nicht entmutigen lassen und nahm mir vor, das Beste aus der Situation rauszuholen.

Also habe ich mir einen netten Punkt gesucht, von dem aus man das Schloss und den Neckar auf das Bild bekommen konnte und startete meine Fotosession. Es stellte sich sogar heraus, dass dieser Ort ein beliebter Fotospot ist, denn ich blieb nicht lange alleine.

Einer der schönsten Momente dieses Abends war, dass ich mit einer Südkoreanerin, die auf Besuch in Heidelberg war, ins Gespräch kam, da sie sich auch diesen Spot zum Fotos machen aussuchte. Sie gab mir sogar den ein oder anderen Ratschlag zum Thema Fotografie und zog nach etwa einer halben Stunde weiter ihres Weges.

Nachfolgend habe ich die meiner Meinung nach drei schönsten Bilder, die ich an diesem Abend gemacht habe für dich beigefügt. Wenn du diese anklickst, werden sie in voller Größe angezeigt.

Überglücklich, dass dieser Abend mit dem netten Kontakt, und auch dem Spaß, den ich beim ausprobieren und lernen mit meiner Kamera habe, glücklicherweise wieder rausgerissen hat, was den Tag über nicht so gut geklappt hatte, mache ich mich auf den Heimweg und verbuche das alles als "den krönenden Abschluss" eines wirklich wunderschönen Herbsttages im Oktober.

Und jetzt, da ich diese Zeilen hier schreibe, die ursprünglich als mein erster Tourenbericht vorgesehen waren, hoffe ich, dass ich mit meiner Entscheidung, daraus lieber ein Dauerwandertagebuch zu machen, richtig liege.

Vor allem aber hoffe ich inständig, dass das Dauerwandertagebuch nicht nur von meinen Missgeschicken mit meinem Equipment oder auf meinen Touren erzählen wird, sondern lieber viel mehr von diesen Erlebnissen, wie ich sie mit der netten Dame aus Südkorea hatte.

Es bleibt auf jeden Fall spannend und mir bleibt wie üblich nur noch eines zu sagen.

Bitte nicht vergessen: Fernweh ist auch in der Nähe stillbar!

Dein Heimatnomade

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