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9 gute Gründe für das Wandern in Deutschland

22.02.2018 Tipps, Tricks und Guides
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Die Ramsauer Ache im Zauberwald - Berchtesgadener Land
Fernweh ist auch in der Nähe stillbar!
Der Heimatnomade

Wahrscheinlich ist dir aufgefallen, dass ich dieses Zitat bereits zweimal in meinem ersten Blogartikel verwendet habe. Ich möchte heute näher darauf eingehen was dieses Zitat für mich bedeutet und dich an diesen Gedanken teilhaben lassen.

Vom Wellnessen zum Wandern

In meinem ersten Artikel habe ich bereits meine wiedergewonnene Leidenschaft zum Wandern angedeutet. Heute möchte ich das noch einmal im Zusammenhang mit dem, in meinen Augen nicht notwendigen, weit weg reisen aufgreifen.

Im Mai 2013 habe ich mich relativ kurzfristig dafür entschieden eine Wander- und Wellnessreise nach Berchtesgaden zu machen. Das waren zum damaligen Zeitpunkt 510 km Anreise, was für mich fast einer Weltreise gleich kam, denn ich bin zu diesem Zeitpunkt seit langem wieder mal verreist. Im Vergleich zu einem Backpacking-Abenteuer in Asien ist es natürlich aber keine wirkliche Entfernung.

Ich wusste damals nicht, ob das Wandern wirklich was für mich ist und wollte mich daher ehrlicherweise primär auf das Wellnessen konzentrieren.

Am ersten Morgen beim Frühstück dachte ich mir aber, dass ich ja mal ein paar Schritte laufen könnte, wenn ich schon mal da bin. Außerdem war Wellness ohnehin erst für den nächsten Tag vorgesehen.

Ich fragte also meine Gastgeberin, Frau Selbertinger vom Gasthof Hundsreitlehen, nach einem Wanderweg für Anfänger bei dem es was zu sehen gäbe. Sie empfahl mir den Maximilians-Reitweg, der auf der vorgeschlagenen Strecke wahrscheinlich einen Höhenunterscheid von maximal 20 Metern gehabt hätte und daher für Anfänger bestens geeignet sei. Sie sagte mir aber auch gleich dazu, dass der Weg einige verschiedene Gehvarianten hätte.

Genau da hat mich dann auch mein Ehrgeiz gepackt. Ich war an diesem Tag volle 10 Stunden zu Fuß unterwegs, immer der Nase nach. Bergauf, Bergab und wieder Bergauf, wohlgemerkt in Jeans, Pullover und Sneakern.

Und es hat klick gemacht

Was soll ich sagen, es war einer der schönsten Tage der vergangenen Jahre und das, obwohl ich eigentlich, aus Sicht eines professionellen Wanderers, vermutlich alles falsch gemacht habe, was man hätte falsch machen können.

Der Grund dafür, dass dieser Tag dennoch einer der schönsten der letzten Jahre war, ist denkbar einfach. Diese erste Tour hat mich derart begeistert und überwältigt, dass in mir an diesem Tag die Erkenntnis gereift ist, dass das genau mein Ding ist. Auch mein Titelbild auf meiner facebook-Seite mit der Bank am Aussichtspunkt der Kastensteinerwand ist übrigens an diesem Tag entstanden.

Seit diesem Tag, beflügelt von dieser Erkenntnis, habe ich für mich beschlossen häufiger Wandern zu gehen. Aber eben nicht an einem Ort auf der anderen Seite der Welt. Denn:

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Nachfolgend habe ich für dich, in rein zufälliger Reihenfolge, noch weitere 9 gute Gründe (und einen für mich persönlich sehr wichtigen zehnten) zusammengestellt, weshalb es sich lohnt Deutschland zu bereisen und zu erwandern.

1. Wenig bis gar kein (An-) Reisestress

Ich weiß ja nicht, wie du das siehst, aber ich persönlich bin kein großer Freund davon meinen Urlaub schon gestresst zu beginnen. Das fängt meistens doch schon damit an, dass man zu einer bestimmten (und auch oft unmenschlichen) Uhrzeit zum Flughafen fahren und einchecken "darf". Man setzt sich in solch einer Situation meist selbst derart unter Stress, dass dann auch noch die dümmsten Zufälle passieren und schief geht, was nur schief gehen kann.

Erholung sieht für mich ehrlicherweise anders aus und wenn ich schon Urlaub habe, dann will ich mich auch den gesamten Urlaub über erholen. Inklusive der An- und Abreise wohlgemerkt!

Bei einer Reise durch Deutschland funktioniert das in der Regel recht gut, denn es müssen keine riesigen Entfernungen zurückgelegt werden. Man kann sich also unglaublich viel Zeit lassen und dadurch Stress minimieren und schon viel bewusster reisen.

Zusätzlich kann man sich zwischendurch auch einfach Mal die Zeit nehmen, um sich spontan etwas anzuschauen oder sich auch einfach nur mal kurz die Füße zu vertreten.

Übrigens ist es auch extrem beruhigend und entspannend zu wissen, dass man innerhalb kürzester Zeit in seinem gewohnten Umfeld sein kann, falls auf der Reise dann doch mal etwas ernsteres schief gehen sollte.

2. Keine Sprachbarriere

Dieser Punkt erklärt sich ja an und für sich von selbst. Klar, es gibt die unterschiedlichsten Dialekte in Deutschland, aber wenn man sich verstehen möchte, dann gibt es einfache Mittel und Wege.

Gerade für Menschen die keine Fremdsprachen gelernt haben, oder auch einfach nicht so gut darin sind, kann ein Urlaub in heimischen Gefilden deutlich entspannter sein.

3. Abwechslungsreiche Landschaften

Auch dieser Punkt erklärt sich quasi von alleine. Man kann das Meer besuchen, die Mittelgebirge, Hochebenen, die Mecklenburgische Seenplatte, die Rheinebene, die sächsische Schweiz, den Bayrischen oder den Pfälzer Wald, die Alpenausläufer, Hansestädte und so weiter und so fort.

Du siehst, es ist für jeden Geschmack und vor allem auch für jedes Fitnesslevel etwas dabei.

4. Historische Orte

Wenn wir schon mal bei den Hansestädten sind…

Auch an historischen Orten, an denen man deutsche Geschichte hautnah erleben kann, mangelt es nicht. Ich selbst komme aus Heidelberg und allein schon mit der Geschichte dieser Stadt wurden zig Bücher gefüllt.

Es ist meiner Meinung nach immer wieder etwas sehr bewegendes einen Teil der deutschen Geschichte auf Tour kennen lernen zu dürfen und daher definitiv sehr empfehlenswert.

5. Öffentlicher Personenverkehr

Hier will ich zunächst einmal zugeben, dass ich bei einem Öffi-Unternehmen arbeite. Ich schiebe aber gleich nach, dass ich versuche gerade bei diesem Punkt meine eigene Meinung wiederzugeben und nicht die, die mein Arbeitgeber möglicherweise lieber lesen würde. Auch sollte ich in diesem Punkt vielleicht noch erwähnen, dass ich kein Auto besitze und ohnehin nur mit den Öffis reise, weswegen ich mir da denke ich schon ein gutes Bild gemacht habe und weiterhin auch machen kann.

Als Randnotiz will ich noch erwähnen, dass ich für die Verspätungen in meinem Job übrigens nicht zuständig bin. Das machen bei uns andere Kollegen und die machen ihre Sache ja soweit ganz gut, oder?

Ok, Spaß beiseite, ja, die Züge der Bahn kommen wirklich das ein oder andere Mal zu spät, sind zu voll oder haben oft - nennen wir sie mal - interessante Mitfahrer an Bord, auf die man gerne verzichten würde. 

Aber ganz ehrlich? Das stört mich persönlich nicht, denn ich komme in der Regel mit dem ÖPNV dort hin, wo ich hin will. Das dauert manchmal vielleicht etwas länger als geplant, aber allein die Möglichkeit mit dem Zug zu fahren und währenddessen auch noch z.B. entspannt lesen zu können wiegt für mich einfach deutlich mehr.

In vielen Regionen gibt es außerdem die Möglichkeit bei einem längeren Aufenthalt den dortigen Nahverkehr sogar kostenlos nutzen zu können. Hier als Beispiel wieder das Berchtesgadener Land. Busse und Bahnen sind dort bei längerem Aufenthalt kostenfrei nutzbar. Ein sehr tolles Angebot!!!

Auch gibt es einige sehr gute Angebote in Städten, wie den Hamburg City Pass oder die Münchner CityTourCard.
Ganz zu schweigen von den Schönes-Wochenende- oder Bundesland-Tickets.

Kurz gesagt, man kommt fast überall mit dem ÖPNV ganz gut hin. Und wenn dem mal nicht der Fall sein sollte, dann gehen wir halt zu Fuß, richtig?

6. Hervorragende Wegenetze

Wenn man Wikipedia nach dem deutschen Wanderwegenetz befragt, erhält man die Info, dass dieses etwa 190.000 km umfasst. Das ist mal eine ordentliche Hausnummer!

Insgesamt gibt es auch weit über 100 Qualitätswanderwege, die mit dem "Wanderbares-Deutschland-Prädikat" versehen sind. Das sind dann besonders sehenswerte und auch sehr gepflegte Wanderwege.

Ich bin gespannt, wie viele der 190.000 km ich erkunden, was ich dabei alles erleben werde und welche es in meinen persönlichen Heimatnomadentrail schaffen werden.

7. Deutsche Kulturen kennenlernen

Von vielen höre ich immer mal wieder Aussagen in etwa nach der Art "Ich gehe in ein anderes Land, weil ich dort eine andere Kultur erleben kann!".

Ganz ehrlich? Meiner Meinung nach ein kleines bisschen Bullshit… Sorry!!

Zwei Beispiele dazu um es dir klar zu machen:

  • Als ich auf meiner ersten Tour im Berchtesgadener Land unterwegs war, habe ich fast einen Kulturschock bekommen. Damals habe ich noch im Raum Frankfurt am Main gelebt und war es absolut nicht gewohnt von jedem, der mir begegnete, herzlichst gegrüßt zu werden. In Frankfurt hasten die meisten Leute, nach meiner Erfahrung frei nach dem Motto "Zeit ist Geld", an dir einfach vorbei, ohne dich wirklich zu bemerken. Eine echt tolle Erfahrung!
  • Mittlerweile wohne ich wieder in Heidelberg und allein die Nähe zum Schwarzwald lässt mich wieder daran zweifeln in ein anderes Land reisen zu müssen um eine andere Kultur kennen zu lernen. Ich kenne bis heute nicht mal die Hintergründe für die Bollenhüte im Schwarzwald.

Du siehst, es gibt mit Sicherheit genügend Kulturelles in Deutschland zu entdecken und das Schöne daran ist, dass man das eben einfach in der Nähe kennenlernen und erleben kann.

8. Nachhaltiges Reisen

Also nein, ich würde mich jetzt nicht als klassischen Öko bezeichnen, aber dennoch lege ich ein wenig Wert auf den Umweltschutz. Das Wandern als Art zu reisen ist für mich grundsätzlich schon eine der nachhaltigsten Reisearten.

Hier gibt es ein wunderschönes passendes englisches Zitat:

Take only memories, leave only footprints!
Indianerhäuptling Seattle

Grob übersetzt bedeutet das "Nimm nur Erinnerungen mit und lasse nur Fußspuren zurück". Genau nach dieser Art wandere ich auch. Ich greife nur durch meine Anwesenheit in die Natur ein. Meinen Müll nehme ich wieder mit. Das ist für mich selbstverständlich.

Der Knackpunkt hier ist, dass eine kurze Anreise den nachhaltigen Effekt in meinen Augen gewaltig verstärkt. Ich kann fast alle meine Ziele mit dem öffentlichen Personenverkehr erreichen und muss dafür z.B. nicht in ein Flugzeug steigen.

Teltschikturm
Der Teltschikturm in Wilhelmsfeld

9. Kosten

Ich denke dieser Punkt erklärt sich wieder ziemlich von allein.

Ein Tagestrip von Heidelberg zu einer Sehenswürdigkeit in der Nähe, wie z.B. den Teltschikturm in Wilhelmsfeld, kostet mich eng gesehen nur den Proviant, den ich mir vorher kaufe und die Fahrt zurück mit dem Bus. 

Das macht dann in etwa 10 Euro, für einen genialen Ausgleich zum Alltag inklusive Erholung, frischer Luft, toller Natur und vor allem jeder Menge Entschleunigung.

Klar, du sagst jetzt sicher, dass das Equipment auch einiges an Geld kostet. Ja, du hast Recht, aber je mehr Touren du gehst, umso weniger kostet dich z.B. ein Wanderschuh. An dieser Stelle möchte ich dich zusätzlich daran erinnern, dass ich meine erste Tour quasi auch ohne Equipment gelaufen bin und es trotzdem noch bis hier geschafft habe. :oD

10. Bonus: Kulinarisches

Zum Abschluss habe ich noch einen eher privaten Grund, den ich aber dennoch mit dir teilen will.

Ich bin sehr, sehr, sehr wählerisch was Essen angeht. Bei uns in Baden heißt das, dass ich ein sehr schnekischer Mensch bin. Grob übersetzt heißt das, dass ich mich, wenn ich etwas essbares nicht kenne, sehr schwer damit tue es zu probieren. In letzter Zeit ist das glücklicherweise aber deutlich besser geworden.

Trotzdem weiß ich einfach, dass mir die Deutsche Küche in Form von klassischer Hausmannskost gut schmeckt, was es für mich persönlich einfacher macht meine Reisen zu genießen.

Ach ja, fast vergessen, ich trinke auch gern mal ein Bierchen zum Essen und wo gibt es Besseres, als in Deutschland?

Habe ich einen für dich wichtigen Punkt vergessen? Rein damit in die Kommentare und lass uns alle gern daran teilhaben!

Und bitte nicht vergessen: Fernweh ist auch in der Nähe stillbar!

Dein Heimatnomade 
 

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